Westturkistan
In Syrien beteiligten sich tausende Uiguren am Kampf gegen Machthaber Assad. Jetzt setzen sie große Hoffnungen auf Übergangspräsident Al-Sharaa.
Ein Propaganda-Video: Soldaten schultern Gewehre. Stehen Spalier in Uniform, während die Kamera ihre vermummten Gesichter abfährt. Auf ihrer Brust die hellblaue Flagge Ostturkistans. Dann schnelle Schnitte: ein Kämpfer feuert eine Kalashnikov ab, Männer rennen auf ein Haus zu — eine Stimme aus dem Off, die erklärt:
Sein Leben dem Jihad zu widmen, ist für jeden Menschen Ehre und Segen zugleich. Hast du nicht auch dein Mutterland verlassen? Deine Eltern werden von China brutal unterdrückt, sie zählen auf dich. Oh Mujahid, dein Volk ruft nach dir! Befreie es von der gnadenlosen Unterdrückung!
Eine Straße im Nordwesten von Syrien. Der Geländewagen folgt dem schmalen Asphaltband, vorbei an Olivenbäumen und einstöckigen Häusern. Auf der Rückbank sitzt Jalalidin, der nur mit dem Vornamen benannt werden will. Der Mittdreißiger stellt sich als Leiter des Politischen Büros der Turkistan Islamic Party vor, kurz TIP. Deren Kämpfer — mit ihnen auch Jalaldin — haben im Dezember 2024 an der Seite syrischer Kämpfer für den Fall des Diktators gesorgt, geführt von Ahmad al-Sharaa, heute Übergangspräsident Syriens. Nach der Flucht von Bashar al-Assad veröffentlichte die TIP das Propaganda-Video. Und sie rief dazu auf, den Kampf jetzt auch nach China zu tragen. Jalalidin zeigt auf eine kleine Ansiedlung:
Unsere Geschichte hat hier angefangen. 2012 kamen die ersten sechs Uiguren in Syrien an — jetzt sind wir 15.000. Alles hat hier begonnen. Deshalb wollte ich euch zu diesem Ort führen.
… vollständige Reportage hören (Deutschlandfunk — Hintergrund)